NavigationStartThemenDetlefWahlkreisAktuellesTermineMitmachenKontakt
© 2027 Detlef Nacke
arrow_back Zurück zu Aktuelles
Detlef vor Ort16.06.2026

Besuch beim Alevitischen Verein in Rheda-Wiedenbrück

Besuch beim Alevitischen Verein in Rheda-Wiedenbrück
Ich bin heute nicht hier, um nur eine politische Botschaft abzugeben. Ich möchte zuhören: Was beschäftigt die alevitische Gemeinde in Rheda-Wiedenbrück? Wo funktioniert gesellschaftliche Teilhabe gut – und wo stoßen Menschen noch immer auf Vorurteile, Benachteiligung oder bürokratische Hürden? Politik muss mit den Menschen sprechen und nicht nur über sie.
Bedeutung der alevitischen Gemeinde.

Alevitinnen und Aleviten gehören seit Jahrzehnten selbstverständlich zu Nordrhein-Westfalen. Sie engagieren sich in Vereinen, Betrieben, Schulen, Gewerkschaften, Kommunen und Nachbarschaften. Dieses Engagement verdient nicht nur Dank und Anerkennung. Es muss auch politisch ernst genommen und dauerhaft unterstützt werden.
Einwanderungsgesellschaft

Nordrhein-Westfalen ist ein Einwanderungsland. Das ist keine vorübergehende Entwicklung, sondern Teil unserer Geschichte und unserer Gegenwart. Viele Menschen, die einst als sogenannte Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter gekommen sind, haben dieses Land mit aufgebaut. Ihre Kinder und Enkel sind hier zu Hause. Deshalb darf es nicht darum gehen, wer angeblich dazugehört. Entscheidend ist, dass alle Menschen die gleichen Rechte, Chancen und Möglichkeiten zur Mitgestaltung haben.

Religionsfreiheit
Religionsfreiheit bedeutet für mich mehr als die Freiheit, den eigenen Glauben privat auszuüben. Sie bedeutet, dass unterschiedliche religiöse und weltanschauliche Gemeinschaften respektiert werden und gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Dazu gehört auch, dass das Alevitentum in seiner Eigenständigkeit wahrgenommen und nicht einfach anderen Glaubensrichtungen zugeordnet wird.

Diskriminierung
Viele Menschen mit Einwanderungsgeschichte erleben noch immer, dass ihr Name, ihre Herkunft oder ihre Religion darüber entscheiden, ob sie eine Wohnung, einen Ausbildungsplatz oder eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bekommen. Das dürfen wir nicht hinnehmen. Wer gleiche Pflichten erwartet, muss auch gleiche Rechte und faire Chancen gewährleisten.
Bildung und Sprache
Gute Integration beginnt früh. Kinder dürfen weder wegen ihrer sozialen Herkunft noch wegen der Herkunft ihrer Eltern schlechtere Bildungschancen haben. Wir brauchen ausreichend Kita-Plätze, verlässliche Schulen, Sprachförderung von Anfang an und eine stärkere Zusammenarbeit mit Eltern und Vereinen. Mehrsprachigkeit ist dabei kein Defizit, sondern eine Fähigkeit, die wir stärker anerkennen sollten.

Programme wie „Griffbereit“, „Rucksack Kita“ und „Rucksack Schule“ verbinden Sprachförderung, Elternbildung und die interkulturelle Öffnung von Bildungseinrichtungen. Solche niedrigschwelligen Ansätze sollten ausgebaut und verlässlich finanziert werden.
 
Ausbildung und Arbeit
Integration gelingt besonders dort, wo Menschen Zugang zu guter Bildung, Ausbildung und tariflich bezahlter Arbeit erhalten. Wer hier lebt, soll seine Fähigkeiten einsetzen können. Dazu müssen ausländische Berufsabschlüsse schneller anerkannt, Sprachkurse besser mit Ausbildung und Beschäftigung verbunden und junge Menschen gezielt beim Übergang von der Schule in den Beruf unterstützt werden.

politischen Teilhabe
Eine lebendige Demokratie braucht die Erfahrungen und Perspektiven aller Menschen, die hier leben. Wir müssen mehr Menschen mit Einwanderungsgeschichte dafür gewinnen, sich in Parteien, Gewerkschaften, Vereinen, Elternvertretungen und kommunalen Gremien einzubringen. Dazu gehört aber auch, dass diese Institutionen sich öffnen und tatsächliche Beteiligung ermöglichen.

Vereinen und Migrantenselbstorganisationen
Vereine wie die alevitischen Gemeinden leisten Integrationsarbeit, Bildungsarbeit, Jugendarbeit und soziale Beratung. Häufig geschieht das ehrenamtlich und mit begrenzten Mitteln. Solche Strukturen dürfen nicht von kurzfristigen Förderanträgen abhängig sein. Sie brauchen verlässliche Ansprechpartner, geeignete Räume und eine planbare Unterstützung durch Land und Kommunen.
Migrantenselbstorganisationen schaffen Zugänge, Begegnungsmöglichkeiten und gegenseitige Unterstützung. In bisherigen Landesprogrammen wurden auch Projekte muslimisch und alevitisch geprägter Communities zur Vernetzung, Sichtbarkeit und Stärkung des Ehrenamtes unterstützt.

Flucht und Migration
Eine verantwortliche Migrationspolitik muss Humanität, Ordnung und Integration miteinander verbinden. Menschen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen, brauchen Schutz. Gleichzeitig müssen Verfahren schneller, nachvollziehbarer und rechtssicherer werden. Wer bleiben kann, muss früh Zugang zu Sprache, Bildung und Arbeit erhalten. Jahrelanges Warten verhindert Integration und belastet auch die Kommunen.

Unterstützung der Kommunen
Integration findet nicht in Ministerien statt, sondern in den Städten und Gemeinden: in Kitas, Schulen, Wohnungen, Betrieben, Beratungsstellen und Vereinen. Deshalb darf das Land die Kommunen mit den finanziellen und organisatorischen Aufgaben nicht alleinlassen. Eine erfolgreiche Integrationspolitik braucht eine verlässliche Finanzierung statt immer neuer kurzfristiger Programme.

Zusammenhalt
Zusammenhalt entsteht nicht dadurch, dass alle gleich sind. Er entsteht, wenn Unterschiede respektiert werden und gemeinsame Regeln für alle gelten: Menschenwürde, Demokratie, Gleichberechtigung und die Freiheit jedes Menschen. Wer Menschen wegen ihrer Herkunft oder ihres Glaubens gegeneinander ausspielt, schwächt unsere gesamte Gesellschaft.

Ein abschließend beschlossenes Regierungs- oder Wahlprogramm der NRW-SPD für die Landtagswahl 2027 ist derzeit noch nicht öffentlich verfügbar. Die folgenden Statements orientieren sich deshalb an den bisherigen Grundlinien der NRW-SPD: gleichberechtigte Teilhabe, Unterstützung von Migrantenselbstorganisationen, gute Sprach- und Bildungsangebote, Integration in Arbeit sowie ein konsequenter Einsatz gegen Rassismus und Diskriminierung. Die SPD-Landtagsfraktion bezeichnet Deutschland ausdrücklich als Einwanderungsgesellschaft und hebt die Lebensleistung der früheren Gastarbeitergeneration hervor.

Daraus lassen sich sieben klare migrationspolitische Positionen ableiten:
1. Gleiche Chancen statt bloßer Integrationsforderungen: Bildung, Wohnen, Arbeit und politische Beteiligung müssen diskriminierungsfrei zugänglich sein.
2. Frühe Sprach- und Bildungsförderung: Sprachförderung in Kita und Schule ausbauen, ohne Mehrsprachigkeit abzuwerten.
3. Schnellere Integration in Arbeit: Berufsabschlüsse zügiger anerkennen und Sprachförderung mit Ausbildung und Beschäftigung verbinden.
4. Starke Kommunen: Integrationsarbeit dauerhaft und auskömmlich finanzieren.
5. Verlässliche Förderung der Zivilgesellschaft: Migrantenselbstorganisationen und religiöse Gemeinden nicht nur projektbezogen unterstützen.
6. Konsequenter Schutz vor Rassismus: Beratungsstellen stärken und Benachteiligung bei Arbeit, Bildung und Wohnen wirksamer bekämpfen.
7. Humanität und rechtsstaatliche Klarheit: Schutzbedürftige aufnehmen, Verfahren beschleunigen und Menschen mit Bleibeperspektive früh integrieren.